28.02.2015, zur Sitzung des Ortsbeirates Morscheid-Riedenburg

Nachbetrachtung von Rainer Stablo zur Ortsbeiratssitzung in Morscheid-Riedenburg am 26.02.2015

1. Vom Bürgermeister war wieder nichts Neues zu vernehmen. Routiniert spulte er seinen Powerpoint-Vortrag ab, den ich nun in unveränderter Form schon zum dritten Mal gehört und gesehen habe. Der Bürgermeister ging auf keinen einzigen meiner Diskussionspunkte und Hinweise vom 25.02.2015 (siehe Nachbetrachtung zur Ortsbeiratssitzung in Hoxel) ein, obwohl ich ihm diese am Vortag persönlich und schriftlich übergeben hatte.

Die sachliche Argumentation von unserer Seite, die auf umfangreichen Recherchen und Gesprächen mit Experten zum Thema Bestattungswälder beruht, scheint bedauerlicherweise auf taube Ohren zu stoßen. Trotzdem habe ich bei der Veranstaltung den einseitigen Darstellungen des Bürgermeisters nochmals Sachargumente entgegen gestellt, weil die Bevölkerung sich nur auf Basis von fundierter, ausgewogener Information eine Meinung im Vorfeld des Bürgerentscheids bilden kann.

2. Erneut führte der Bürgermeister fast ausschließlich Kostenargumente gegen die Errichtung eines Bestattungswaldes in Trägerschaft der Gemeinde Morbach ins Feld. Zentrale Punkte seiner Argumentation waren nach wie vor drei unbeirrt in den Raum gestellte, unbewiesene Behauptungen (bezogen auf den möglichen Standort in Haag mit 8 Hektar):

a) die Investitionskosten betrügen einmalig mindestens 152.000 Euro
b) die laufenden Personalkosten betrügen je Jahr mindestens 40.000 Euro (zuzüglich 10.000 Euro sonstige Unterhaltungskosten)
c) die zu erwartenden Einnahmen wären nicht hoch genug, diese Kosten abzudecken.

Dieser Standpunkt ist aus unserer Sicht nicht haltbar (siehe unten).

3. Mein Hinweis, dass die Investitionskosten bei allen uns bekannten Bestattungswäldern innerhalb der ersten 1-2 Jahre durch den Verkauf von Urnengrabstellen (je 500 Euro) komplett ausgeglichen werden konnten, und der Bürgermeister mir bitte das gegenteilige Beispiel eines kommunalen Bestattungswaldes nennen solle, blieb erneut ungehört. Ein Beispiel wurde nicht genannt.

Mehrfach hatten wir auch schon dargelegt, dass die Investitionskosten pro Hektar gegenüber anderen Bestattungswäldern unerklärlich hoch angesetzt sind.

Die angeführten hohen Personalkosten von 40.000 Euro pro Jahr wurden vom Bürgermeister weder aufgeschlüsselt noch transparent begründet. Darüber, dass die Personalkosten entschieden zu hoch angesetzt sind (siehe Punkt 5) wurde ebenfalls nicht diskutiert und auch nicht darüber, dass durch ehrenamtliche Tätigkeiten bei der Betreuung des Bestattungswaldes in der Praxis außerdem die Personalkosten entscheidend reduziert werden können.

4. Mein Hinweis, dass der Bestattungswald in Niederhosenbach in den ersten 6-7 Jahren seines Bestehens 3.300 Urnengrabstellen (von 4.300) verkauft und damit rund 1,65 Millionen Euro Einnahmen verzeichnen dürfte, mit denen auch die Investitionskosten um ein Vielfaches übertroffen worden sind, wurde nicht aufgegriffen. Die Chancen eines Bestattungswaldes wurden auf ganzer Linie ignoriert.

5. Dass mit einem gut aufgestellten Bestattungswald ein Reinerlös (nach Abzug aller Kosten!) von mindestens 1.000 Euro pro Hektar Waldfläche und Jahr für die Gemeinde zu erzielen ist (vergl. http://www.unique-forst.de/…/Der%20Neue%20Kaemmerer-01-2013… ), wurde entsprechend nicht zur Kenntnis genommen.

Das gleiche galt für den Hinweis, dass – nach Aussage von Forstexperten aus Freiburg – die rein forstliche Nutzung derselben Fläche des Gemeindewaldes (100 -160 jährige Buche/Eiche) über die Bestandslebensdauer betrachtet viel weniger einbringt (30 – 50 Euro pro Hektar und Jahr).

Zum Vergleich: der Gemeindewald von Morbach ist 3.000 Hektar groß. Der Gewinn aus der forstlichen Nutzung betrug 2014 laut Vorbericht zum Wirtschaftsplan 2015 für den Eigenbetrieb „Gemeindeforst Morbach” zwischen 205.600 und 220.000 Euro. Damit erzielt die Gemeinde derzeit also ungefähr 70 Euro pro Hektar und Jahr. Verantwortlich für diesen etwas höheren Betrag gegenüber den genannten 30 – 50 Euro sind die Einnahmen aus dem Verkauf der Fichte. Der Reinerlös aus einem kommunalen Bestattungswald liegt also um das Vielfache höher!

Der im Bestattungswald nach Erfahrungswerten aus anderen Bestattungswäldern zu erwartende Reinerlös von mindestens 1.000 Euro pro Hektar lässt Personalkosten von allerhöchstens etwa 20.000 Euro pro Jahr als realistisch erscheinen. Das wäre gerade die Hälfte der vom Bürgermeister veranschlagten Kosten.

Dies wird durch folgende Berechnung belegt:

• Ein Bestattungswald von 8 Hektar verfügt über mindestens 8.000 Urnengrabstellen.
• Bei einem Verkaufspreis von durchschnittlich 500 Euro pro Urne, betragen die Einnahmen ca. 4 Millionen Euro für den Zeitraum von 100 Jahren.
• Werden davon die (zu hoch) angesetzten Investitionskosten von 152.000 Euro abgezogen, ergeben sich Einnahmen von rund 3,85 Millionen Euro. Pro Jahr sind das, durch 100 geteilt, also 38.500 Euro.
• Werden hiervon die sonstigen angeführten Unterhaltungskosten pro Jahr in Höhe von 10.000 Euro abgezogen, bleibt ein Zwischenbetrag von 28.500 Euro pro Jahr für den 8 Hektar großen Bestattungswald.
• Da der zu erwartende Reinerlös bei mindestens 1.000 Euro pro Hektar und Jahr liegt, ergeben sich also bei 8 Hektar mindestens 8.000 Euro Reinerlös.

Setzt man diese 8.000 Euro also voraus, dann kann man auf die maximalen Personalkosten anhand des vorhergehend dargestellten rückrechnen: 28.500 Euro – 8.000 Euro = 20.500 Euro Personalkosten.

Bei alldem sind die eigentlichen Bestattungsgebühren von rund 250 Euro pro Urne noch nicht berücksichtigt. Das sind für 8.000 Urnengrabstellen immerhin 2 Millionen Euro Zusatzeinnahmen.

6. Es gibt weitere Ungereimtheiten und Einseitigkeiten in der Argumentation des Bürgermeisters im Rahmen seiner Auftritte im Gemeinderat und in den Ortsbeiräten. Diese werden von uns bei anderer Gelegenheit dargelegt und richtiggestellt werden.

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3 Antworten auf 28.02.2015, zur Sitzung des Ortsbeirates Morscheid-Riedenburg

  1. beobachter sagt:

    In der Gemeinde Morbach sterben in 100 Jahren keine 8000 Menschen, geschweigedenn wählen den Bestattungswald als Bestattungsmethode. Ihre sinnfreien Hochrechnungen sind aus anderen, viel größeren Einzugsgebieten hergegriffen und treffen für die Gemeinde Morbach überhaupt nicht zu! NEIN AM 15.03.!

    • bestattungswald sagt:

      Die Sterberate liegt in Morbach bei ungefähr 1,1 Prozent im Jahr, das sind ungefähr 120 Sterbefälle pro Jahr. Auf 100 Jahre hochgerechnet sind das in der Summe also 12.000 Menschen. Es ist in der Tat nicht davon auszugehen, dass sich diese 12.000 Menschen alle in einem Morbacher Bestattungswald beerdigen lassen wollen. Aber ein sich verstärkender Trend in diese Richtung ist – aus den verschiedensten Gründen – da. Und dabei sollte selbstverständlich immer mit gedacht werden: ein Bestattungswald in Morbach ist natürlich ein nicht bloß lokales Angebot. Wie bei bestehenden Bestattungswäldern auch, ist davon auszugehen, dass ein attraktiv gestalteter Bestattungswald regionale Bedeutung und Ausstrahlung hat bzw. haben wird. 60 – 80 Prozent (oder sogar mehr) der zu Bestattenden werden aus der näheren oder ferneren Region kommen. Der Bestattungswald in Niederhosenbach ist das beste Beispiel. Die Gemeinde Niederhosenbach hat etwa 300 Einwohner, das heißt ca. 3 Sterbefälle pro Jahr. Im Bestattungswald Niederhosenbach haben von 2007 bis 2013 sage und schreibe bereits 650 Bestattungen stattgefunden. Und mehr als 3300 Urnenplätze wurden bisher verkauft. Das heißt, dort finden zu fast 100 Prozent Bestattungen von außerhalb und Grabstellenverkäufe an Auswärtige statt. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Urnenplätze und den durchgeführten Bestattungen kommen also fast ausschließlich von außerhalb der Gemeinde. Dies geschieht ganz sicher nicht zum Nachteil der Gemeinde Niederhosenbach!

    • Thomas Koch sagt:

      Wie heißen Sie mit echtem, vollständigen Namen, Herr/Frau Beobachter? Man kann doch dazu stehen.

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