25.02.2015, zur gestrigen Sitzung des Ortsbeirates Hoxel

Bei der gestrigen Ortsbeiratssitzung in Hoxel sah und hörte ich den computergestützten Vortrag des Bürgermeisters Hackethal zum Thema Bestattungswald, mit dem er seine ablehnende Haltung zu begründen versuchte, nun zum zweiten Mal.

Dazu und zur sich anschließenden regen Diskussion ein paar Anmerkungen:

I.

In der Diskussion brachte ich meine Verwunderung zum Ausdruck, dass der Bürgermeister nichts anderes vorgetragen hatte als in der Gemeinderatssitzung am 26.01.2015 und dass er mit keinem Wort auf die 14 Fragen eingegangen war, die wir als Vertrauenspersonen des Bürgerbegehrens vor etwa drei Wochen öffentlich an ihn gerichtet haben.

Auffällig war erneut, dass sein Blick fast ausschließlich auf die Kostenseite (einmalige Investitionskosten, laufende Kosten) gerichtet war. Die Einnahmeseite dagegen wurde wieder sehr stiefmütterlich behandelt. Der angeführte Grund, die Anfragen bei erfolgreichen kommunalen und privaten Betreibern seien nicht belastbar beantwortet worden, überzeugte mich nicht.

Denn leicht lassen sich auf der Webseite des Ruheforstes Niederhosenbach folgende Informationen nachlesen, aus denen sich die bisherigen und zukünftigen Einnahmen in Niederhosenbach zumindest überschlagsmäßig berechnen lassen:

1. verkaufte Urnengrabstellen (2006-2013): 3300 (von bisher verfügbaren 4300, ohne Erweiterung)

2. durchgeführte Bestattungen (2006-2013): 650

3. vorsichtig gerechnet durchschnittliche Verkaufseinnahme pro Urnengrabstelle: 500 Euro

4. Gebühreneinnahme je Bestattung: 240 Euro

Das macht in der Summe für die ersten 6-7 Jahre des Betriebes sage und schreibe 1,8 Millionen Euro, die bisher echt vereinnahmt wurden.

Da noch 1000 Urnengrabstellen verkauft werden und insgesamt noch 3650 Bestattungen stattfinden können, werden zukünftig noch mindestens 1,3 Millionen Euro hinzukommen.

In der Gesamtsumme werden so also mindestens 3,1 Millionen Euro auf der Einnahmenseite zusammen kommen.

Leicht lässt sich deshalb nachvollziehen, warum eine Erweiterung der Fläche des Ruheforstes Niederhosenbach vom Betreiber und der Gemeinde angestrebt wird.

II.

Die Frage, welchen Standortvorteil die kleine Ortsgemeinde Niederhosenbach gegenüber der großen Einheitsgemeinde Morbach habe, weshalb sich eine 300-Einwohner-Gemeinde einen Bestattungswald leisten könne, eine 11000-Einwohner-Gemeinde aber nicht, blieb unbeantwortet.

Das Einzugsgebiet von Morbach kann angesichts der ansonsten gerne angeführten räumlichen Nähe der beiden Orte nicht wesentlich anders aussehen als das Einzugsgebiet Niederhosenbachs.

Außerdem, und auch diese Aussage des ehemaligen Ortsbürgermeisters von Niederhosenbach findet sich auf der Webseite des Ruheforstes Niederhosenbach, scheint der Standort selbst für die Größe der Nachfrage nicht das Wichtigste zu sein, Alfred Römer wörtlich: „Wir haben festgestellt, dass das Wichtigste an einem Standort nicht die geografische Lage ist, sondern der Betreuer.“

Hinzugefügt sei, dass sich hier – wie in Niederhosenbach oder anderswo – in der Praxis ein weites Feld für ehrenamtliche Betreuung öffnet, das die angeführten hohen Personalkosten deutlich reduzieren hilft!

III.

Erneut vorgebracht wurde der Hinweis, in der Nähe von Morbach bestünden ja bereits  genügend Bestattungswälder, insbesondere Niederhosenbach, deshalb könnten sich die Interessenten aus Morbach doch ohne Weiteres dort bestatten lassen.

Abgesehen davon, dass den Morbacher Interessenten einer Waldbestattung damit schlicht die Bestattung in der Heimatgemeinde nicht zugestanden werden soll, lässt sich darauf Folgendes erwidern:

1. Mit derselben Begründung, dass es die gewünschte Bestattungsmöglichkeit ja in der Region bzw. Nähe  bereits gäbe, könnten – auf die bestehenden Friedhöfe der Gemeinde Morbach bezogen  – Bürgermeister oder andere Personen die Forderung erheben: wieso sollen wir die Friedhöfe in den kleineren Ortsteilen weiter am Leben halten, wo doch in den größeren Ortsteilen, insbesondere im Zentralort Morbach selbst, doch auch genügend Friedhöfe vorhanden sind? Geht doch dahin!

2. Weshalb soll die Einheitsgemeinde Morbach tatenlos zuschauen, wie die kleine Gemeinde Niederhosenbach ihr Flächenangebot angesichts des wachsenden Bedarfes nach Waldbestattungen in der Region erweitert?

In Sachen Integrierter Gesamtschule – der Bürgermeister hat es richtigerweise in der Diskussion angeführt – hat die Gemeinde Morbach  nicht tatenlos zugeschaut und stattdessen die Initiative ergriffen, als das Zeitfenster sich öffnete.

Warum nicht auch jetzt in Sachen Bestattungswald? Solange das Zeitfenster offen ist. Wenn Morbach es nicht tut, werden andere es tun. Mich würde es nicht wundern, wenn dann Bernkastel-Kues den Stab übernehmen würde.

IV.

Auf meine Frage, wie das bereits jetzt bestehende Defizit der gemeindeeigenen Friedhöfe (2013 und 2014 je 100000 Euro, 2015 50000 Euro) ohne die Errichtung eines Bestattungswaldes gedeckt werden soll, gab es vom Bürgermeister bezeichnenderweise wieder keine Antwort.

Ich sehe nach wie vor gerade in der Errichtung eines kommunalen Bestattungswaldes einen zentralen Baustein, wie das Defizit zukünftig abgebaut oder ganz verhindert werden kann. Denn alle Gebühren aus  dem Verkauf von Grabstellen und der Durchführung von Bestattungen – egal ob auf den bestehenden Friedhöfen oder im Bestattungswald – fließen in ein und denselben Finanztopf der Gemeinde.

Dabei hat der Bestattungswald den entscheidenden Vorteil, dass die Einnahmen durch den Kauf  bzw. Verkauf der Grabstelle in der Regel bereits lange vor der eigentlichen Bestattung erfolgen, auf dem üblichen Friedhof dagegen nicht. Warum der Bürgermeister auf diesen wichtigen Unterschied niemals eingeht, verstehe ich nicht.

V.

Dass das Bürgerbegehren für einen kommunalen „Bestattungswald Morbach“ die Diskussion in den Ortsteilen in Sachen Neugestaltung der vorhandenen Friedhöfe angeschoben oder wieder verstärkt hat, das sehe ich sehr positiv. Denn das JA zum Bestattungswald ist auch ein JA zur Sicherung der bestehenden Friedhöfe aus dem gemeinsamen Finanztopf und ein JA zur Steigerung der Attraktivität der bestehenden Friedhöfe.

Zu einem zukunftsfähigen Friedhofskonzept gehört meiner Überzeugung nach – einander ergänzend  – beides, der traditionelle Friedhof genauso wie der Bestattungswald.

Rainer Stablo

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