Sitzung des Gemeinderats am 26.01.2015, 18:30 Uhr

Zur bevorstehenden Entscheidung des Gemeinderates in Sachen Bürgerbegehren Bestattungswald am Montag, den 26.01.2015, möchten wir  nicht mehr allzu viele Worte verlieren.  Nur noch so viel:

1. Die Argumente sind in den Gremien der Gemeinde  (Gemeinderat, Haupt – und Finanzausschuss, Ältestenrat) erschöpfend ausgetauscht.

2. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird der Gemeinderat das Bürgerbegehren – mit dem Fokus auf Geld und Wirtschaftlichkeit  – mehrheitlich ablehnen. Wir sind eigentlich nur noch gespannt auf das Verhältnis und die Zusammensetzung der Ja- und Nein-Stimmen bzw. Enthaltungen.

3. Da wir mit der Ablehnung im Gemeinderat rechnen, setzen wir ganz auf den Bürgerentscheid, der am Sonntag, den 15. März 2015, stattfinden wird. Nach langem Hin und Her (sieben Jahre!!!) haben dann endlich die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde das letzte Wort.

4. Nicht verschweigen möchten wir, dass wir uns immer mehr über die Hartnäckigkeit wundern, mit der Gemeindeverwaltung, Bürgermeister und Teile des Gemeinderates – gegen den unverkennbaren Wunsch sehr vieler Bürgerinnen und Bürger – die Errichtung eines kommunalen Bestattungswaldes in der Gemeinde Morbach zu verhindern suchen. Stecken – neben den ausgesprochenen – noch unausgesprochene Motive dahinter?

5. Wir nehmen mit Bedauern zur Kenntnis, dass fast ausschließlich finanzielle, Geld-basierte Argumente von Gemeindeverwaltung, Bürgermeister und aus dem Gemeinderat heraus gegen das Bürgerbegehren ins Feld geführt werden und weisen diese Betrachtungsweise als völlig einseitig und unangemessen zurück.

6. Wir geben zu bedenken, dass – was nun wirklich nicht in unserem Sinne ist – mit ähnlich  Geld-fixierter Argumentation die Schließung jeder Gemeindeeinrichtung (Schwimmbad, Sportplätze, Museen, Dorf-Friedhöfe, Dorf-Gemeindehäuser), die nicht von der Mehrheit der Bevölkerung genutzt oder nur für eine Minderheit oder im Interesse einer Minderheit vorgehalten wird, begründet oder gefordert werden könnte.

7. Wir kritisieren diese Geld-Fixiertheit als falsch und unangemessen.

8. Damit befinden wir uns offensichtlich in prominenter Gesellschaft, denn kein Geringerer als Papst Franziskus, das  gegenwärtige Oberhaupt der katholischen Kirche, hat diese Kritik am Geld sehr scharf und eindeutig formuliert. Unter der Bezeichnung “APOSTOLISCHES SCHREIBEN EVANGELII GAUDIUM DES HEILIGEN VATERS PAPST FRANZISKUS AN DIE BISCHÖFE AN DIE PRIESTER UND DIAKONE,AN DIE PERSONEN GEWEIHTEN LEBENS  UND AN DIE CHRISTGLÄUBIGEN LAIEN ÜBER DIE VERKÜNDIGUNG DES EVANGELIUMS IN DER WELT VON HEUTE“  führte er am 24.11.2013 das Folgende aus:

Nein zur neuen Vergötterung des Geldes

55. Einer der Gründe dieser Situation liegt in der Beziehung, die wir zum Geld hergestellt haben, denn friedlich akzeptieren wir seine Vorherrschaft über uns und über unsere Gesellschaften. Die Finanzkrise, die wir durchmachen, lässt uns vergessen, dass an ihrem Ursprung eine tiefe anthropologische Krise steht: die Leugnung des Vorrangs des Menschen! Wir haben neue Götzen geschaffen. Die Anbetung des antiken goldenen Kalbs (vgl. Ex 32,1-35) hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel. Die weltweite Krise, die das Finanzwesen und die Wirtschaft erfasst, macht ihre Unausgeglichenheiten und vor allem den schweren Mangel an einer anthropologischen Orientierung deutlich – ein Mangel, der den Menschen auf nur eines seiner Bedürfnisse reduziert: auf den Konsum.

56. Während die Einkommen einiger weniger exponentiell steigen, sind die der Mehrheit immer weiter entfernt vom Wohlstand dieser glücklichen Minderheit. Dieses Ungleichgewicht geht auf Ideologien zurück, die die absolute Autonomie der Märkte und die Finanzspekulation verteidigen. Darum bestreiten sie das Kontrollrecht der Staaten, die beauftragt sind, über den Schutz des Gemeinwohls zu wachen. Es entsteht eine neue, unsichtbare, manchmal virtuelle Tyrannei, die einseitig und unerbittlich ihre Gesetze und ihre Regeln aufzwingt. Außerdem entfernen die Schulden und ihre Zinsen die Länder von den praktikablen Möglichkeiten ihrer Wirtschaft und die Bürger von ihrer realen Kaufkraft. Zu all dem kommt eine verzweigte Korruption und eine egoistische Steuerhinterziehung hinzu, die weltweite Dimensionen angenommen haben. Die Gier nach Macht und Besitz kennt keine Grenzen. In diesem System, das dazu neigt, alles aufzusaugen, um den Nutzen zu steigern, ist alles Schwache wie die Umwelt wehrlos gegenüber den Interessen des vergötterten Marktes, die zur absoluten Regel werden.”

Und des Weiteren ergänzte Papst Franziskus klar und deutlich:

Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen

57. Hinter dieser Haltung verbergen sich die Ablehnung der Ethik und die Ablehnung Gottes. Die Ethik wird gewöhnlich mit einer gewissen spöttischen Verachtung betrachtet. Sie wird als kontraproduktiv und zu menschlich angesehen, weil sie das Geld und die Macht relativiert. Man empfindet sie als eine Bedrohung, denn sie verurteilt die Manipulierung und die Degradierung der Person. Schließlich verweist die Ethik auf einen Gott, der eine verbindliche Antwort erwartet, die außerhalb der Kategorien des Marktes steht. Für diese, wenn sie absolut gesetzt werden, ist Gott unkontrollierbar, nicht manipulierbar und sogar gefährlich, da er den Menschen zu seiner vollen Verwirklichung ruft und zur Unabhängigkeit von jeder Art von Unterjochung. Die Ethik – eine nicht ideologisierte Ethik – erlaubt, ein Gleichgewicht und eine menschlichere Gesellschaftsordnung zu schaffen. In diesem Sinn rufe ich die Finanzexperten und die Regierenden der verschiedenen Länder auf, die Worte eines Weisen des Altertums zu bedenken: » Die eigenen Güter nicht mit den Armen zu teilen bedeutet, diese zu bestehlen und ihnen das Leben zu entziehen. Die Güter, die wir besitzen, gehören nicht uns, sondern ihnen. «[55]

58. Eine Finanzreform, welche die Ethik nicht ignoriert, würde einen energischen Wechsel der Grundeinstellung der politischen Führungskräfte erfordern, die ich aufrufe, diese Herausforderung mit Entschiedenheit und Weitblick anzunehmen, natürlich ohne die Besonderheit eines jeden Kontextes zu übersehen. Das Geld muss dienen und nicht regieren! Der Papst liebt alle, Reiche und Arme, doch im Namen Christi hat er die Pflicht daran zu erinnern, dass die Reichen den Armen helfen, sie achten und fördern müssen. Ich ermahne euch zur uneigennützigen Solidarität und zu einer Rückkehr von Wirtschaft und Finanzleben zu einer Ethik zugunsten des Menschen.”

9. Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Entscheidung (am 15.03.2015) liegt in Ihrer Hand.

Für die Vertrauenspersonen des Bürgerbegehrens

Rainer Stablo

 

 

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